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Wie ist das eigentlich mit dem Strompreis?

Der Strom an der Börse ist billig– warum ist meine Rechnung dann noch so hoch? An der Strombörse gibt es zeitweise sogar negative Preise. Trotzdem bleibt die Stromrechnung vieler Haushalte hoch. Warum? Erik Dittrich, Geschäftsführer eurer Stadtwerke Itzehoe, erklärt, was hinter dem Strompreis steckt – und warum ein dynamischer Tarif nicht automatisch günstiger ist.

 

Sonne und Wind liefern viel Strom. An der Börse fällt der Preis. In manchen Stunden wird Strom sogar verschenkt – oder der Preis rutscht ins Minus. Auf der Stromrechnung kommt davon aber oft wenig an.

„Der Börsenpreis für Strom ist nur ein Teil der Wahrheit“, sagt Erik Dittrich, Geschäftsführer eurer Stadtwerke Itzehoe. Denn zum Strompreis gehören auch die vom Gesetzgeber regulierten Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen. Sinkt der Börsenpreis, wird deshalb nicht automatisch die gesamte Rechnung günstiger.

Dazu kommt: Strom wird nicht erst dann eingekauft, wenn er gebraucht wird. Versorger beschaffen Energie im Regelfall lange im Voraus und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

„Das schützt die Verbraucher vor heftigen Preissprüngen“, so Dittrich. Steigt der Börsenpreis plötzlich, schlägt das nicht sofort voll auf die Kunden durch. Umgekehrt gilt aber auch: Fällt der Preis kurzfristig, wird die Rechnung nicht automatisch sofort billiger.

Was die Straße von Hormus mit Itzehoe zu tun hat

Die Energiemärkte sind weltweit miteinander verbunden. Das zeigt ein Blick in den Persischen Golf. Durch die Straße von Hormus werden große Mengen Öl und Flüssigerdgas transportiert. Gibt es dort Spannungen oder Störungen, bringt das die Energiepreise weltweit in Bewegung.

Deutschland muss das Gas dafür nicht einmal direkt aus dieser Region beziehen. Wird Flüssiggas auf dem Weltmarkt knapp, suchen sich Käufer andere Lieferquellen. Der Wettbewerb steigt – und damit können auch die Gaspreise in Europa steigen.

Das wiederum wirkt auf den Strompreis. Denn wenn Wind und Sonne nicht genug Strom liefern, springen unter anderem Gaskraftwerke ein. Wird Gas teurer, wird darum meist auch der Strom an der Börse teurer.

„Was Tausende Kilometer entfernt passiert, beeinflusst am Ende auch unseren Energiemarkt“, sagt Dittrich. „Deshalb sind verlässliche Preisprognosen derzeit schwierig.“

Ist ein dynamischer Stromtarif die Lösung?

Dynamische Stromtarife klingen zunächst nach einer guten Idee. Der Preis verändert sich im Tagesverlauf. Wer Strom dann verbraucht, wenn er an der Börse günstig ist, kann sparen. Das könnte sich zum Beispiel für Besitzer von Elektroautos, Wärmepumpen oder Batteriespeichern lohnen.

Aber: Dynamisch heißt nicht automatisch günstig. Denn auch bei diesen Tarifen bleiben Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Grundpreise bestehen. Außerdem gibt es nicht nur günstige Stunden. Wer Strom zur falschen Zeit verbraucht, zahlt möglicherweise deutlich mehr.

Entscheidend ist deshalb das eigene Verbrauchsverhalten. Wer sein Elektroauto flexibel laden, die Wärmepumpe steuern oder den Batteriespeicher gezielt einsetzen kann, hat bessere Chancen auf Einsparungen. Wer morgens und abends zu festen Zeiten Strom braucht, fährt mit einem festen Tarif möglicherweise besser. „Der passende Tarif hängt einfach stark vom individuellen Alltag ab“, sagt Dittrich.

Was Verbraucher selbst tun können

Niemand weiß genau, wie sich die Strom- und Gaspreise in den kommenden Monaten entwickeln. Internationale Konflikte, Wetter, Lieferungen und politische Entscheidungen können die Märkte jederzeit verändern. Was die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst beeinflussen können, ist der eigene Verbrauch – und die Wahl des Tarifs. Erik Dittrich rät deshalb, nicht nur auf einzelne günstige Börsenstunden zu schauen. Besser sei es, regelmäßig auf Verbrauch und Tarif zu schauen, auch dann, wenn sich die Energiemärkte gerade beruhigt haben. „Jede eingesparte Kilowattstunde unterstützt auch eine stabile und nachhaltige Energieversorgung.“

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